07
Nov
09

Umdenken oder untergehen

Caio in der Startformation. Caio in der Startformation? Auswärts? Beim Tabellenführer? Muss ein Druckfehler sein. Ist es nicht. Möglicherweise dachte sich Michael Skibbe, wenn nicht hier, wo dann? Hier, in Leverkusen, hat es schließlich jeder Samba-Fußballer geschafft, der halbwegs geradeaus laufen konnte. Fehlanzeige. Caio läuft auf – für 22 Minuten. Dann ist der Spuk vorbei und Skibbe hat Erbarmen mit dem Brasilianer. Für Caio reicht es so gerade noch, bei Sportal & Co. die Note 6 abzuräumen. Ungenügend. Die gleiche Zensur hatten sich am Freitagabend noch etliche andere Frankfurter Standfußballer verdient. Von einer Bestrafung konnte man bei Caios Auswechslung allerdings nicht reden, konnte er doch schließlich froh sein, am Desaster in Leverkusen fortan nicht mehr beteiligt zu sein.

Doch nicht nur die Frankfurter auf dem Platz schienen mit ihren Gedanken andernorts zu verweilen. Michael Skibbe mag an vieles gedacht haben, als er die taktische Marschroute für den Horrorabend festlegte, allein über die Stärken und Schwächen des eigenen Teams schien er nicht im Bilde zu sein. Vielmehr erfreute sich der Fußballlehrer im Vorfeld der Partie an den Stärken seines Ex-Teams: „Ich bin mit allen dort gut befreundet, ich kenne alle Adlers und Castros. Es spielt dort noch immer die Mannschaft, die ich mit zusammengebaut habe.“ Ja, darauf ist er mächtig stolz. Es hat den Anschein, als trauere Skibbe noch immer der guten alten Zeit nach. Das „Debakel unterm Werkskreuz“ war fast vorhersehbar. Wenn sich schon der Trainer nicht auf die Mannschaft konzentriert, die er aktuell trainiert, warum sollten es dann seine Spieler tun?

In Gedanken bei all den tollen Adlers, Castros, Völlers und wie sie alle heißen, ließ Skibbe denn auch die geballte Frankfurter Offensivabteilung den Leverkusener Rasen stürmen. Doch so dilletantisch, wie diese sich dann anstellte, hat man eine Frankfurter Mannschaft lange nicht gesehen. Da brauchte es schon Herren der älteren Garde im Frankfurter Fanblock, die sich an ein ähnliches Szenario gegen Fortuna Köln erinnen wollten. Wann das gewesen sein soll, ist nicht überliefert. Unter einem gewissen Herrn Funkel – diese These sei gewagt – wäre so etwas nicht passiert.

Funkel wusste, was die bisweilen arg limitierte Frankfurter Mannschaft zu leisten im Stande ist – und was eben nicht. Danach stellte er auf und ließ mauern, wenn es nötig war. Skibbe ist sich darüber nach viermonatiger Amtszeit scheinbar noch nicht im Klaren. Nun sollte er schleunigst umdenken, sich abkapseln von seiner wahnwitzigen Idee, die Eintracht innerhalb kürzester Zeit von einem Abstiegskandidaten zu einem Aspiranten um die internationalen Plätze formen zu können. Dazu fehlen finanzielle Mittel genauso wie die vorhandene spielerische Qualität. Das reicht von Kapitän Christoph Spycher, der mitunter mit einfachsten Zuspielen überfordert ist, bis hin zu Selim Teber, den Skibbe nach einer lustlosen Vorstellung unverständlicherweise erst zwei Minuten vor Ultimo austauschte.

Skibbes Rundumschlag nach der peinlichen Schlappe jedenfalls ist mehr als unagebracht. Er will den Verein in einem Maße umkrempeln, in dem es nicht annährend möglich sein wird, solange Heribert Bruchhagen Vorstandsboss ist. Statt zu träumen, wie es sein könnte, muss sich Skibbe wieder der Gegenwart zuwenden und das Beste aus der Mannschaft herausholen, die ihm zur Verfügung steht. Wie predigte Funkel doch immer so schön: „Wenn ich offensiv aufstelle, rennen wir ins offene Messer und kriegen fünf, sechs Stück.“ Genau das hätte gestern gut und gerne passieren können – wie auch schon im Pokal gegen die Bayern. Und wenn Michael Skibbe nicht langsam umdenkt, ist die Eintracht gestern nicht das letzte Mal untergegangen.

03
Aug
09

Geschmacklos

Am heutigen Montag feuerte der FSV Mainz 05 Trainer Jörn Andersen – fünf Tage vor dem Saisonstart. Das ist seltsam genug. Doch transfermarkt.de setzte noch einen drauf: Das Fußball-Portal bildete in der Meldung über die Entlassung Andersens dessen Konterfei in schwarz-weiß ab. Die Entlassung mag zwar etwas überraschend kommen, für einige ist sie vielleicht auch dramatisch. Gestorben ist der gute Mann allerdings nicht.

andersen

12
Jul
09

Überbezahlter Klopp

„Damals schon überbezahlt.“ (BVB-Sportdirektor Michael Zorc über den ersten Trainer-Vertrag von Jürgen Klopp bei Eintracht Frankfurt, mit dem dieser 220 Mark im Monat verdiente)

Quelle: Bild

02
Jul
09

Neuer Spielplan ist raus: Noch 36 Tage bis zum Start

In 36 Tagen wird der VfL Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart die 47. Bundesliga-Saison einläuten. Wolfsburgs Trainer Armin Veh trifft dabei gleich zu Beginn auf seinen Ex-Verein, mit dem er 2007 Deutscher Meister wurde.

In der Saison 2009/2010 gibt es kleine Änderungen der Anstoßzeiten. Während es beim Freitag-Spiel um 20.30 Uhr bleibt, finden am Samstag fünf Begegnungen wie gewohnt um 15.30 Uhr statt, eine Partie beginnt dagegen erst um 18.30 Uhr. Sonntags findet ein Spiel bereits um 15.30 Uhr statt, die andere Begegnung wird um 17.30 angepfiffen. Die Bekanntgabe der genauen Anstoßzeiten wird in der Regel vier Wochen vor dem jeweiligen Spieltag gemacht.

Die Fans dürfen sich auf die höchste durchschnittliche Stadionkapazität freuen, die es jemals gegeben hat. 46.900 Zuschauer können pro Spieltag im Durchschnitt die Stadien besuchen. Die Auslandsrechte für die Bundesliga veräußerte die DFL in über 180 Länder der Welt.

1. Spieltag im Überblick:

VfL Wolfsburg – VfB Stuttgart (Fr., 20.30 Uhr)

Borussia Dortmund – 1. FC Köln (Sa., 15.30)

1. FC Nürnberg – Schalke 04

SC Freiburg – Hamburger SV

Werder Bremen – Eintracht Frankfurt

Hertha BSC Berlin – Hannover 96

FSV Mainz 05 – Bayer Leverkusen

TSG 1899 Hoffenheim – FC Bayern München

VfL Bochum – Borussia Mönchengladbach

30
Jun
09

Selim Teber: „Ich möchte immer Recht haben“

Michael Skibbe hat sich offensichtlich so einiges vorgenommen. Bereits bei seiner Vorstellung verkündete er siegessicher, dass er es sich durchaus zutraue, Sorgenkind Caio endlich in die Spur bringen. Zudem hat Skibbe es mit Neuzugang Maik Franz zu tun, der auch nicht mit jedem Menschen dieser Welt klarkommt. Das hat er in der vergangenen Saison des öfteren unter Beweis gestellt. „Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht. Viel wird das nicht sein“, stänkerte Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis zu seiner Zeit über seinen damaligen Gegenspieler. Nun ja, wenigstens soll das Raubein neben dem Fußballplatz ein ganz netter Typ sein.

Und jetzt stößt ausgerechnet noch jemand zur Eintracht, der gerne mal den Mund aufmacht: Selim Teber. Der Ex-Kapitän der TSG Hoffenheim unterschrieb heute einen Zweijahres-Kontrakt in Frankfurt und soll Michael Fink und Junichi Inamoto im spärlich besetzten defensiven Mittelfeld der Eintracht ersetzen. Auch Teber ist kein leichter Charakter. Dass er in Hoffenheim trotz seines Kapitänsamtes kein Stammspieler war, könnte damit zusammenhängen, dass er auch öfter mal mit Trainer Rangnick aneinander geriet. „Ich möchte immer Recht haben“, sagt er über sich selbst. Das muss nicht schlecht sein, denn in der vergangenen Saison fehlten der Eintracht vor allem Spieler wie er. Spieler, die den Mund aufmachen und auch mal dazwischen hauen, wenn nichts anderes mehr hilft. Ohne den dauerverletzten Amanatidis war es häufig ruhig im Team.Viel zu ruhig.

Das soll anders werden. Die Frage bleibt nur, ob es im Frankfurter Stadtwald nun nicht etwas zu laut wird. Andererseits: Wenn Teber sein Temperament zügelt, ist er durchaus dazu in der Lage, die Eintracht fußballerisch weiterzubringen. Das hat er in Ansätzen in Kaiserslautern und Hoffenheim bereits bewiesen. Sein Vorbild ist übrigens Diego Maradona. Ob er sich da nicht etwas zu viel vorgenommen hat? Sei’s drum, sein neuer Trainer legt die Messlatte ja selbst nicht niedriger.

30
Jun
09

Teber nach Frankfurt?

Die Bild-Zeitung meldet, dass Selim Teber zu Eintracht Frankfurt wechselt. Der Vertrag bis 2011 sei bereits unterschrieben. Teber hatte seinen auslaufenden Vertrag in Hoffenheim nicht verlängert.

29
Jun
09

Erkenntnis

„Das war ja ein richtiges Tor!“ (ZDF-Reporter Béla Réthy voller Verwunderung über den Treffer von Sandro Wagner zum 4:0 für die U21-Nationalelf im EM-Finale gegen England)

21
Jun
09

Forderungen eines Berufsanfängers

Auf eine gewisse Weise ist Mirko Slomka ein kleines Phänomen. Vor seiner Beförderung zum Cheftrainer auf Schalke im Januar 2006 kannte ihn fast niemand, dann plötzlich alle und nach seiner Beurlaubung am selben Ort zwei Jahre später versank er ruck-zuck wieder in der Versenkung. Bis vor ein paar Wochen. Mit Leverkusen, Frankfurt, Mönchengladbach, Köln und dem HSV standen gleich fünf Erstligisten ohne Trainer da. Insbesondere bei Topklubs wie Leverkusen und Hamburg stand er – zumindest dem Empfinden nach – auf der Liste ganz weit oben . „Ich stehe bereit“, sagte Slomka beispielsweise zu einem möglichen Engagement in Hamburg – und ließ auch sonst keine Gelgenheit aus, sich selbst überall ins Gespräch zu bringen, ja regelrecht anzubiedern. Selten gab es jemand, der in solch kurzer Zeit soviel Eigenwerbung machte. Genützt hat es ihm nichts, Slomka ist weiterhin auf Jobsuche. Und warum?

Bleibt zunächst einmal die Frage, woher der „nette Herr Slomka“, wie ihn der kicker einst taufte, die Legitimation nimmt, einen Spitzenklub trainieren zu können. Vor seiner Zeit auf Schalke trainierte er die A-Jugenden von Hannover 96 und Tennis-Borussia Berlin, vier Monate war er Cheftrainer bei TeBe in der Regionalliga, danach jeweils Co-Trainer in Hannover und auf Schalke unter Ralf Rangnick. Zugegeben, seine gut zwei Jahre dauernde Amtszeit als Cheftrainer in Gelsenkirchen verlief einigermaßen erfolgreich – allein damit hatten viele nicht gerechnet. Bei diesem Kader, in Zeiten als Schalke gerne noch mit viel, viel Geld um sich warf, war besonderes Zutun des Trainers allerdings auch nicht sonderlich nötig. Und nach diesem kurzen Lebenslauf kann man Slomkas Bewerbungsmappe bereits getrost wieder zuklappen. Mehr ist nicht drin. Erfahrung? Fehlanzeige.

Slomkas Sachverstand will niemand anzweifeln. Und doch muss er – wie jeder andere auch – zu Beginn seiner Karriere erst einmal kleinere Brötchen backen. Das hat er nun scheinbar auch selbst bemerkt. Und inzwischen ist er sich auch für einen Job in der zweiten Liga nicht mehr zu schade. Doch mit Forderungen sollte sich ein Berufsanfänger zurückhalten. Von Bielefeld verlangte er laut „Bild“ angeblich eine Million garantierten Jahresverdienst und drei Assistenztrainer. Außerdem, dies äußerte er öffentlich, sollen doch bitteschön die Voraussetzungen für einen direkten Wiederaufstieg stimmen. Sprich: Investitionen in neue Spieler. Im Trainerkarussell der vergangenen Wochen ist Slomka ganz offensichtlich etwas schwindelig geworden. Vielleicht verwechselt er deshalb die finanziellen Spielräume von Arminia Bielefeld (!) mit denen des Hamburger SV. Wenn Mirko Slomka seine Forderungen jedenfalls nicht schleunigst zurückschaubt, wird seine Bewerbungsmappe garantiert nicht dicker. Und dann ist es nicht anders, als in der „normalen“ Berufswelt auch: Auf eine Anstellung kann er lange warten.

15
Jun
09

Jones rudert zurück

Dass Jermaine Jones kein leichter Typ ist, dürfte mittlerweile hinreichend bekannt sein. Jones, aufgewachsen in Frankfurts Brennpunkt Bonames, hat sich schon mit so manchem angelegt. In Frankfurt hat er sich mit seinem Wechsel zu Schalke viele Feinde gemacht. Auf dem Platz gibt er jedoch immer alles. Sein Kampfgeist beförderte ihn zuletzt sogar in die Deutsche A-Nationalmannschaft. Damit erreichte er sein großes Ziel. Spielen durfte er aber nur dreimal, insgesamt 99 Minuten, darunter kein Pflichtspiel. Für Jones ein Grund, sich wieder einmal unbeliebt zu machen. Der 27-Jährige will nun für die US-Auswahl auflaufen. Für Aufsehen sorgte in den letzten Tagen ein Interview mit der New York Times.

Dort soll er gesagt haben: „In Deutschland sind Menschen wie ich unbeliebt. Man muss mich nur anschauen, ich bin nicht der perfekte Deutsche. Ich habe Tattoos, das mögen die Deutschen nicht. Die Menschen in den Staaten sehen eher aus wie ich. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht blond bin und keine blauen Augen habe. Bestimmte Dinge betreffend fühle ich mich in Deutschland nicht wohl.“ Das ist starker Tobak. Die Aussage dementierte Jones auf der Homepage von Schalke 04 umgehend, ein „Rassismus-Vorwurf sei Quatsch“. Gesagt hätte er genau das Gegenteil, nämlich dass man keine blonden Haare und blaue Augen haben müsse, um für Deutschland zu spielen.

Die Schalker PR-Maschine läuft dagegen auch in der Sommerpause auf Hochtouren und versucht zu beschwichtigen. In dem Interview habe es mehrere Missverständnisse gegeben. Beispielsweise hätte die Times die Vertragsmodalitäten falsch angegeben, heißt es auf der Homepage des Revierklubs. Ein blöder Fehler, der allerdings nicht unbedingt darauf hinweist, dass der amerikanische Reporter das Gespräch mit Jones falsch wiedergegeben hat.

Man möchte Jones gerne glauben, doch zumindest ein fader Beigeschmack bleibt. Auffällig ist, dass sich stets die gleichen Spieler Probleme einhandeln. Die erste undurchdachte Aussage von Jermaine Jones wäre es jedenfalls nicht.

15
Jun
09

Feindbild Nr.1

„Die sind mein Feindbild Nummer eins. Immer schon! Für kein Geld der Welt würde ich dort spielen. Schalker hasse ich wie die Pest!“ (Neu-Borusse Kevin Großkreutz über den FC Schalke 04)